Traumabiografische Systemprojektion

TSP – die blinde Stelle zwischen Biografie und System

Traumabiografische Systemprojektion (TSP) beschreibt ein nicht-pathologisches, aber hochwirksames Phänomen: Menschen stabilisieren eine erträgliche Geschichte über sich und ihr Leben – und diese Geschichte arbeitet dann unbeabsichtigt in und durch Systeme.

TSP ist kein Etikett und keine Diagnose – sondern eine fehlende Linse im Kinderschutz.
nicht-pathologisch, aber wirkmächtig zwischen Trauma, Erinnerung & Systemlogik relevant für Psychologie, Forensik, Justiz, Jugendhilfe
Mikro: neue Fachdisziplin für Diagnostik & Forensik Meso: veränderte Abläufe in Kettenverfahren Makro: Baustein der Kinderschutzarchitektur (EMBRACE)
Rolle von TSP Mikro-Linse im Makro-System

Vom „Einzelfall“ zum systemischen Muster

TSP erklärt, warum Menschen unter hoher innerer Spannung eine subjektiv stimmige Geschichte stabilisieren – und warum Institutionen diese Geschichte oft für objektive Realität halten. Nicht, weil jemand „lügt“, sondern weil die Projektion biografisch notwendig geworden ist.

  • Für Fachpraxis: neue Diagnostik- und Leselinse für Psychologie, Psychiatrie, Forensik.
  • Für Systeme: erklärt, wie aus innerem Schutz ungewollt systemische Schieflagen entstehen.
  • Für Kinderschutz: macht die narrative Dimension psychischer Gewalt überhaupt erst sichtbar.
TSP ist damit die fachliche Grundlage, auf der Traumasystemforensik (TSF) arbeitet – und auf der EMBRACE als Makro-Projekt Kinderschutz neu denken kann.

Aus welcher Fachperspektive berührt TSP Ihr Handlungsfeld?

Wählen Sie zuerst Ihre Ebene – dann Ihren Container – und sehen Sie, wo TSP bisher unsichtbar bleibt.

TSP als Linse für 12 Kern-Container

1. Ebene wählen – Ihr Makro-Kontext

Wo sind Sie hauptsächlich verortet? Ihre Auswahl öffnet die passenden Container.

Innerhalb der Wissenschaft – welche Fachbrille tragen Sie?

Alle sehen echte Phänomene – aber keine sieht TSP als Ganzes.

Im Gesundheitssystem – wo arbeiten Sie?

Diagnostik, Behandlung, Begutachtung – überall wirkt TSP mit, ohne so benannt zu werden.

In Recht & Justiz – welcher Bereich trifft zu?

Wo Akten entstehen, Entscheidungen fallen und Gutachten eine Rolle spielen.

Im Sozialwesen – wo begegnet Ihnen TSP?

Immer dort, wo Familien, Kinder und Krisen auf Strukturen treffen.

In Sicherheitsorganen – wo setzen Sie an?

Von Erstkontakt bis Ermittlungsführung.

In Politik & Verwaltung – welche Rolle haben Sie?

Rahmen setzen, Standards definieren, Kontrolle sicherstellen.

Psychologie (klinische Psychologie)

Was sieht dieser Container?

Symptome: Angst, Depression, Dissoziation, Anpassungsstörungen.
Verhalten, Emotionen, Kognitionen.
Traumafolgen (intrusiv, vermeidend, Hyperarousal).
Bindungsmuster, Beziehungsgestaltung.

Wie arbeitet er?

Diagnostik entlang klassischer Manuale (ICD/DSM).
Fokus auf „Störung“ und „Symptomreduktion“.
Kausallogik: Trauma → Symptom.
Arbeit mit subjektiver Erlebniswelt der Person.

Wissenschaftliche Grenze

Psychologie ist intrapersonal: Sie analysiert das Individuum, nicht das System.
Sie untersucht innere Prozesse, nicht deren forensische oder institutionelle Folgen.
Narrative Kohärenz wird oft als „glaubhafte Verarbeitung“ gewertet (McAdams).

Warum bleibt TSP unsichtbar?

TSP ist nicht-pathologisch, funktional und zeigt keine klassischen Symptome.
Psychologie erkennt Realitätsrekonstruktion nur, wenn sie störungswertig ist (z. B. PTSD-assoziiert).
Die systemischen Wirkungen (z. B. auf Gerichte, Jugendhilfe) liegen außerhalb ihres Beobachtungsfelds.

Warum TSP jetzt gebraucht wird

Die Kinderschutzpraxis arbeitet mit hochkomplexen Lebensgeschichten – aber mit Werkzeugen, die nur Ausschnitte sehen.
TSP adressiert genau diesen blinden Fleck.

Blinder Fleck 1

Narrative wirken „stimmig“ – sind aber projektiert

Gutachter, Jugendämter, Gerichte erleben Betroffene oft als authentisch, konsistent, emotional glaubhaft – und übersehen, dass sie primär ihre Innenwelt erzählen, nicht die äußeren Fakten. TSP macht diese traumabiografisch-basierte Systemprojektion beschreibbar und diagnostizierbar.

Blinder Fleck 2

Disziplinen sehen nur ihr Fragment

Psychologie, Psychiatrie, Forensik, Pädagogik und Recht verfügen bezogen auf TSP über Teilwissen – aber kein integriertes Modell, das erklärt, wie TSP, Wahrnehmung, Erinnerung und Verhalten über Systemgrenzen hinweg verzerrt. TSP verbindet diese Linien in einer neuen Fachdisziplin.

Blinder Fleck 3

Fehlentscheidungen mit Systemwirkung

Wenn TSP nicht gesehen wird, stabilisieren sich im System falsche Narrative: falsche Täter-Opfer-Bilder, eskalierende Maßnahmen, Trennungen, Gutachtenketten. TSP zielt darauf, diese Dynamiken früh zu erkennen und systematisch zu entschärfen.

Der TSP-Fahrplan

Fünf Perspektiven, aus denen TSP wissenschaftlich, forensisch und systemisch greifbar wird.

1 – Notwendigkeit: Warum TSP überhaupt entstehen muss

Ein verletzter Mensch stabilisiert sich über eine subjektiv stimmige, aber objektiv verzerrte Realität – und Institutionen übernehmen diese Realität mangels Linse ungeprüft als Fakt.

Mit der TSP - Sicht erkennt man:

Ein verletzter Systemträger (Mensch) sucht Stabilität.
Die Psyche nutzt dafür narrative Rekonstruktion: sie baut eine Schutzblase, in der Schuld, Scham, Ohnmacht und Fragmentierung erträglicher werden.
Diese Schutzblase ist subjektiv völlig real, logisch und moralisch stimmig.
Das Individuum lügt nicht, es stabilisiert.

Gleichzeitig:

Institutionen (Jugendamt, Gerichte, Gutachter, Polizei, Staatsanwaltschaft usw.) arbeiten mit aktenbasierter, linearer Logik.
Was kohärent erzählt und emotional glaubhaft wirkt, wird im System schnell zur faktischen Realität.

Es gibt keine Disziplin, die systematisch prüft:

„Ist das, was hier hochkohärent erzählt wird, eventuell eine traumabiografische Systemprojektion
und keine absichtliche Täuschung?“

Genau hier entsteht die Notwendigkeit für TSP:

als Begriff für das Phänomen
und als Erweiterungsdisziplin, die Disziplinen verbindet.

• Problemdefinition • Brücke zwischen Innenwelt & System • Ausgangspunkt für Förderung & Forschung

TSP-Forschungsprogramm – von der Theorie in die Praxis

Das TSP-Forschungsprogramm verbindet Grundlagenarbeit mit unmittelbarer Praxisrelevanz – für Forensik, Jugendhilfe, Gerichte und Gutachterwesen.

Modul 1

Grundlagen & Definition

• Phänomenologie von TSP
• Abgrenzung zu klassischen Störungsbildern, Persönlichkeitsdiagnostik und Falschaussage
• Kartierung typischer Muster über die beteiligten Systemträger hinweg (Familie, Jugendamt, Gericht, Gutachten).

Modul 2

Diagnostik & Werkzeuge

Entwicklung eines praktisch nutzbaren Instrumentariums für:
• Fall-Lesen (Case Reading)
• Projektionserkennung im Verlauf von Verfahren
• Frühwarnindikatoren für „kippende Geschichten“
• Dokumentations- und Auswertungsroutinen für TSP-Fälle.

Modul 3

Transfer & Qualifizierung

Aufbau von Curricula und Fortbildungsformaten für Gutachter:innen, Jugendämter, Familienrichter:innen und Einrichtungen:
• Weiterbildungsmodule
• Modellfälle & Supervision
• Evaluation und wissenschaftliche Begleitung.

Förderlogik TSP – Mikroebene mit großer Hebelwirkung

TSP wirkt auf der Mikroebene – bei einzelnen Fachpersonen und Verfahren – entfaltet aber dort eine hohe Systemwirkung, weil es Entscheidungen präziser, fairer und kindgerechter macht.

Wen TSP erreicht

Direkte Zielgruppen:
• Psychologische und psychiatrische Forensik
• Familienrichter:innen & Gerichte
• Jugendämter & ASD
• Verfahrensbeistände und Vormünder
• Sachverständigen- & Gutachterwesen

Indirekt profitieren:
• Kinder und Familien in hochstrittigen Verfahren
• Träger von Einrichtungen & Hilfen zur Erziehung
• Fachöffentlichkeit im Kinderschutz.

Was gefördert werden kann

Mögliche Förderbausteine:
• Grundlagenstudie & Konzeptentwicklung TSP
• Aufbau eines TSP-Referenzlabors (Fallanalytik & Dokumentation)
• Entwicklung von diagnostischen Leitfäden und Tools
• Pilotprojekte mit ausgewählten Jugendämtern / Gerichten
• Fortbildungsreihen & Fachtage für zentrale Akteursgruppen.

Förderformate reichen von thematischen Projektmitteln (1–3 Jahre) bis hin zu Langfristpartnerschaften im Rahmen kinderschutzbezogener Programme.

TSP fördern – die fehlende Linse im Kinderschutz ermöglichen


Die Resonanzraum-Initiative gUG (i. G.) ist gemeinnützig ausgerichtet und arbeitet unabhängig. TSP ist bewusst so angelegt, dass es keine Schuldigen sucht, sondern die diagnostische Tiefe erweitert – für fairere und besser informierte Entscheidungen.


Förderschwerpunkt: Kinderschutz & Forensik Zielgruppe: Stiftungen, Fachprogramme, öffentliche Hand

Mögliche Formen der Unterstützung:

Modellprojekt-Förderung (2–3 Jahre) für die Entwicklung und Erprobung von TSP-Tools in ausgewählten Regionen.
Curriculum-Finanzierung für Fort- und Weiterbildungen (Forensik, Jugendamt, Gericht, Gutachterwesen).
Kooperationen mit Hochschulen, Forschungsinstituten oder Fachverbänden zur wissenschaftlichen Begleitung.

Bei Interesse an einer Zusammenarbeit oder Förderung:

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